Ems hat niedrigsten Pegel seit zwei Jahren Die große Trockenheit

Greven -

Der September ist so trocken wie schon lange nicht mehr. Die Landwirte fürchten um ihre Wintersaat.

Von Peter Beckmann
Da, wo normalerweise das Wasser fließt, sind jetzt Sandbänke zu sehen. Seit mindestens zwei Jahren hat die Ems den niedrigsten Wasserstand.
Da, wo normalerweise das Wasser fließt, sind jetzt Sandbänke zu sehen. Seit mindestens zwei Jahren hat die Ems den niedrigsten Wasserstand. Foto: Peter Beckmann

Auf den ersten Blick halten sich die Probleme in Grenzen. Klar, der Mais ist sehr früh reif, notreif. Und der Staub, der beim Ernten entsteht, ist nicht angenehm. Aber die Landwirte haben gravierende Schwierigkeiten mit der neuen Aussaat. Die steht jetzt an, die Wintergerste müsste Ende September eigentlich in die Erde. Doch das ist momentan nicht so einfach. Es ist viel zu trocken.

„Die Böden sind teilweise hart wie Beton, die lassen sich nur schwer bearbeiten“, sagt Ortslandwirt Matthias Langkamp . Viel problematischer sei allerdings ein anderer Umstand. „Bei der Trockenheit keimen die ausgesäten Getreidekörner nicht. Die brauchen dringend Feuchtigkeit.“

Und die ist momentan absolute Mangelware. Denn der September war viel zu warm und vor allem viel zu trocken. Gerade einmal 7,5 Liter Wasser hat es bislang in Greven und Umgebung geregnet. Normal wäre das Zehnfache. Und auch der August war mit 51 Litern zu trocken (langjähriger Durchschnitt 78 Liter).

Das Ergebnis der Trockenheit sieht man auch an den Flüssen. Die Ems bringt es am Pegel an der Nordwalder Straße gerade einmal auf 68 Zentimeter – der mit Abstand niedrigste Stand seit mehr als zwei Jahren. An einer Messstelle in Fuestrup sind es noch weniger, da liegt der Wasserpegel bei 56 Zentimeter. Das sind sehr ungewöhnlich niedrige Werte. Als im Jahr 2009 der Pegel der Ems auf einen ähnlich niedrigen Wert von 80 Zentimeter fiel, befürchteten die Behörden ein Fischsterben. Denn ein niedriger Pegel sorgt für eine niedrigere Fließgeschwindigkeit, und das wiederum führt zu einem niedrigen Sauerstoffgehalt im Wasser. Zu wenig Sauerstoff: Das mögen Fische und anderes Getier genau so wenig wie ein Mensch.

Aber nicht nur Landwirte und Fische haben Probleme, auch die Hobbygärtner haben Sorgen. Nutz- und Zierpflanzen lassen die Köpfe oder Blätter hängen und müssen fast täglich gewässert werden. Der Rasen wird langsam braun. Und auch Bäumen und Büschen fehlt es an Wasser. Deshalb werfen sie schon jetzt – ungewöhnlich früh – das Laub ab. Ebenfalls zu leiden haben die Pilzsammler, die häufig mit fast leeren Körben nach Hause kommen.

An diesem Wochenende ist zwar ein wenig Regen angesagt. Aber ob tatsächlich Regen fällt und wenn ja, wie viel das sein wird, steht noch in den Sternen. Eigentlich brauchte das Land jetzt drei Tage sanften Dauerregen.

Trockenheit hin, Trockenheit her: Die Trinkwasserversorgung ist in Greven natürlich nicht gefährdet. Denn dieses Wasser stammt aus den Tiefen der Ems-Urrinne, das Grundwasser wird aus einer Tiefe von 20 bis 23 Metern gefördert. „Wir haben kürzlich eine Prognose der Wasserversorgung erstellt. Das Wasser wird über Jahre, ja über Jahrzehnte reichen“, sagte Simon Werning , Fachbereichsleiter Anlagen und Netze bei den Stadtwerken. Ein Mal im Monat wird der Stand des Grundwassers an 100 Messpunkten gemessen. „Da fällt aber so ein trockener Monat nicht auf, im Juni hat es ja dafür sehr viel geregnet.“

Aber trotzdem merken die Mitarbeiter im Wasserwerk es schon, wenn es besonders trocken ist. „Wenn die Gartenbesitzer abends den Hahn aufdrehen und wässern, laufen unsere Förderpumpen auf Hochtouren.“ Und das war in diesem warmen, trockenen September oft so.

Zum Schluss noch zwei Erkenntnisse: In der Ems gibt es zur völligen Überraschung des Autors dieser Zeilen sogar Muscheln, die man jetzt, bei dem extrem niedrigen Wasserstand, sehr gut sehen kann. Und: In Höhe der Fußgängerbrücke liegen jede Menge Fahrräder im Wasser, die vermutlich irgendwelche Ganoven vorher geklaut haben. Jetzt, bei dem wenigen Wasser, liegen sie auf dem Trockenen.

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