Nach dem Aus für die Marienkirche „Wir haben hier nicht die Bude voll“

Greven -

Die ersten Proteste laufen auf, gar Kirchenaustritte werden angekündigt. Auch Pfarrer Lunemann räumt ein, Hoffnungen auf den Erhalt des Marien-Standortes gehabt zu haben. Gleichwohl sieht er nun die Chance, das Neues wachsen könne.

Von Ulrich Reske
Die Jahre der Marienkirche sind ab jetzt gezählt. Gebaut wurde die Kirche zwischen 1951 und 1952. Damals stand sie noch allein auf weiter Flur.
Die Jahre der Marienkirche sind ab jetzt gezählt. Gebaut wurde die Kirche zwischen 1951 und 1952. Damals stand sie noch allein auf weiter Flur. Foto: WN Archiv

Natürlich habe er die Hoffnung gehabt, beide Standorte für Greven halten zu können, räumt Martinus-Pfarrer Klaus Lunemann ein. Doch die Bistumsleitung hat Klartext gesprochen. Das Ergebnis – wir berichteten: das Aus für den Kirchenstandort Marien in fünf bis acht Jahren und ein Neubaukonzept für die Josefskirche. Unterm Strich der Abriss zweier Kirchen, die vor rund 60 Jahren in Greven gebaut wurden.

Vor allem beim Blick in den Westen der Stadt sucht und findet der Pfarrer die „gute Botschaft“. „Bei aller Trauerarbeit“ bestehe hier die Chance, das etwas Neues wachse. Auch für den Abriss der Josefskirche – nur der Turm bleibt nach dem vorliegenden Konzept stehen – hat Lunemann Verständnis. Das Gebäude sei nur schwerlich unterteilbar, energetisch eine Katastrophe und wohl auch nicht barrierefrei umzubauen. Unterm Strich: Nicht finanzierbar. Und die weiter zurückgehenden Kirchgängerzahlen beflügeln diese Pläne. „Wir haben hier nicht die Bude voll.“ Nun bestehe die Chance, bedarfsgerecht zu planen. In ein bis zwei Jahren könne umgesetzt werden, was als Prozess an diesem Standort ja schon längst eingeleitet sei.

Keinen Hehl macht allerdings der Pfarrer daraus, dass man sich für den Standort Grabenstraße / Am Fiskediek ein anderes Ergebnis gewünscht hätte. Den Wegfall bewertet Lunemann auch deshalb problematisch, weil die Einrichtungen auf dem Kirchberg nur sehr schlecht erreichbar seien. Von einem Wegfall des Standortes möchte Lunemann allerdings nicht sprechen. „Kirchliches Leben gibt es auch in der Kita.“

Auch setzt Klaus Lunemann auf die zeitliche Schiene. „Wir haben ausreichend Zeit für Planungen, denn das Konzept wird hier erst in fünf bis acht Jahren umgesetzt.“ Der Beschluss bedeute keineswegs das Aus für Jugendkirche. „Eine Jugendkirche kann und sollte flexibel sein,“ setzt Lunemann etwa auf einen Umzug in den Westen der Stadt.

Natürlich rechnet der Pfarrer auch mit Protesten aus der Gemeinde. Aber: „Die Fakten können wir schließlich nicht verbiegen und verändern.“ Er setzt auf einen fairen Umgang miteinander. Und für zwei Aulakonzerte, die wegen der guten Akustik in der Josefskirche stattfinden, könne man schließlich keinen Kirchenstandort halten.

Dass das Kirchenvolk in seiner Gänze nicht Bistumsleitung und Pfarrer folgt, zeigen auch erste Reaktionen. Er erkläre seinen Austritt aus der Kirche, wenn die Pläne so umgesetzt würden, schreibt ein Grevener an die Bistumsleitung (Brief liegt der Redaktion vor). 68 Jahre habe er der Kirche die Treue gehalten, seit 32 Jahren sei er mit dem Segen der Kirche verheiratet, habe drei Kinder taufen lassen und sie katholisch erzogen.

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