Festgottesdienst und Friedenseiche Friedenseiche als Symbol der Zukunft

Ein ökumenischer Gottesdienst eröffnete im Rahmen von „100 Jahre Geschichte Reckenfeld“ den Veranstaltungsreigen am Sonntag. Anschließend wurde eine Gedenktafel für die Siedler enthüllt und eine Friedenseiche gepflanzt.

 
  Foto: Oliver Hengst

Die hat jetzt so viel Segen und gärtnerischen Sachverstand abbekommen – das kann gar nicht schiefgehen.“ Uwe Völkel , Pfarrer der evangelischen Gemeinde Reckenfeld , ist sich sicher: Die am Sonntag gepflanzte Friedenseiche hat viele gesunde Jahre vor sich. Es wäre ihr zu wünschen, denn sie ist gepflanzt worden nicht nur als Zeichen der Stärke und als Erinnerung an Erreichtes (Völkel: „100 Jahre friedliches Zusammenleben im Ort. Das kann man gar nicht hoch genug schätzen“), sondern auch als Symbol, das in die Zukunft wirkt.

Gemeinsam mit Pfarrer Klaus Lunemann von der katholischen Martinus-Gemeinde sowie unter tatkräftiger Mithilfe von engagierten Reckenfeldern (erst Klaus Schwenken vom Bürgerverein, dann Presbyter Jürgen Schölzke und schließlich immer mehr „Anpacker“) brachte er Erde und Wasser an den Wurzelballen. Klaus Lunemann enthüllte zudem eine Gedenktafel, die an die Siedler erinnert, die unter schwersten Bedingungen aus einem friedensfeindlichen Munitionslager einen besiedelten Ort machten, was Völkel im Gottesdienst zuvor als „erlebbare Friedensarbeit“ wertete.

Der Festgottesdienst stand ganz im Zeichen der Dankbarkeit, dass es damals wie heute Reckenfelder gab und gibt, die sich einbringen, die schaffen, die sich um ihre Mitmenschen kümmern. „Wir danken Gott dafür, dass es möglich war, dass aus einem Munitionslager eine blühende Gartenstadt wurde“, sagte Schölzke, der an diesen „einzigarteigen Vorgang“ erinnerte. Für Pfarrer Clemens Döpker (St. Martinus) ist der Tag ein Anlass, sich zu fragen, „was dient auch künftig dem Frieden im Ort und anderswo?“

Der von Uta Rodenberg geleitete Kirchenchor trug passenderweise zwei vertonte Menschenrechtsartikel vor: „Alle Menschen sind frei. Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit“ hieß es unter anderem. Auch der von Charlotte Holste-Krey dirigierte Evangelische Posaunenchor gestaltete den Gottesdienst mit.

An vielen Stellen wurde auch große Zuversicht spürbar, dass die Integration von Flüchtlingen gelingen wird. Völkel, vor rund 20 Jahren ein aus dem Pott „Zugereister“, hat erlebt, dass man in Reckenfeld „nie zuerst als Fremder, sondern als Mensch“ wahrgenommen werde. „Wir sind alle keine Heiligen.“ Aber es gebe „in Reckenfeld eine Mehrheit, die sich dem freundlichen Geist verpflichtet fühlt“ – in einem Ort, der gerade nicht in friedlicher Absicht gegründet wurde, ein Anlass zur Dankbarkeit. Für den Aufbau habe es viel Hoffnung gebraucht. Damit lasse sich vieles schaffen. Damals und heute.  Oliver Hengst

 

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