Forum „Geflüchtete Menschen als Chance für Unternehmen in Greven“ Sprache ist der Schlüssel zum Arbeitsmarkt

Greven -

Lesen, schreiben, sprechen: Das sind die drei Schlüssel zum Arbeitsmarkt. Dieses Fazit zogen Unternehmer, Jobcenter und rund 60 Flüchtlinge beim Forum „Geflüchtete Menschen als Chance für Unternehmen in Greven“ im Rathaus.

Von Monika Gerharz
 
  Foto: Monika Gerharz

„Lesen, schreiben, sprechen: Nur das ist die Tür zum deutschen Arbeitsmarkt.“ Unternehmensberater Tilo Scherf fasste beim Forum „Geflüchtete Menschen als Chance für Unternehmen in Greven “ zusammen, was die Vertreter der Wirtschaft, des Jobcenters, der Stadt und der Flüchtlinge selbst in immer anderen Worten formulierten. Wifo und Jobcenter hatten am Freitag zu der Veranstaltung ins Rathaus geladen, etwa 60 Wifo-Mitglieder und noch einmal so viele junge Flüchtlinge – Architekten und Maler, Radiologen und Händler, angehende Pharmazeuten und Schneider, Baumaschinenführer, Kraftfahrer und Landwirte – waren der Einladung gefolgt. Sie alle versuchen, in Deutschland beruflich Fuß zu fassen – „am liebsten in einem Job, den wir uns wünschen und den wir beherrschen“, sagte ein Flüchtling.

Möglichkeiten dazu gibt es durchaus. Das skizzierte beispielsweise Markus Weddeling von der Groneweg-Gruppe. In seinem Unternehmen, das gefrier- und luftgetrocknete Lebensmittel herstellt, sind viele Mitarbeiter mit ausländischen Wurzeln beschäftigt. Allerdings nannte er Bedingungen für eine Einstellung: Die Sprache muss mindestens so gut sein, dass Dokumente ausgefüllt und Schulungen verstanden werden können. Und es darf keine kulturellen Vorbehalte geben. „Weibliche Führungskräfte müssen akzeptiert werden.“ Auch Dr. Johannes Hachgenei von den AC Abfüllbetrieben Greven betonte die Bedeutung der Sprache: „Sie ist noch unter einem anderen Aspekt wichtig – dem der Sicherheit.“ Beide „Chefs“ betonten jedoch, dass man durchaus an Flüchtlingen als Mitarbeiter interessiert sei.

Allerdings, und das betonten Jürgen Düking und Yunus Güngördü vom Jobcenter, setzt ihre Institution nicht auf schnelle Arbeitsvermittlung um jeden Preis, sondern vor allem auf Ausbildung. „Berufliche Qualifikation ist ganz wichtig, um eine langfristige Integration in den Arbeitsmarkt zu erreichen“, unterstrich Düking. „Ausreichende Sprachkompetenz hat Vorrang vor schneller Arbeitsvermittlung.“ Es gebe zwar derzeit viele Programme, die die schnelle Arbeitsintegration förderten. Aber die meisten setzten ein Sprachniveau voraus, das derzeit bei den wenigsten Flüchtlingen gegeben sei. „Sprache allein reicht nicht für Ausbildung“, sagte Karl-Heinz Hagedorn, Vorstandsmitglied des Jobcenters. „Es muss auch lesen und schreiben gegeben sein.“ Bis der größte Teil der jetzt angekommenen Flüchtlinge so weit sei, werde es aber noch einige Monate dauern. Das sah auch Bürgermeister Peter Vennemeyer in seinem Grußwort so: „Ausbildung braucht Zeit.“ Aber sie sei ganz wichtig. „Die Integration in den Arbeitsmarkt ist der Prüfstein für Integration überhaupt.“

Ein Handicap für die Integration sprach einer der Flüchtlinge an: „Es ist schwer, den Kopf frei zu haben, um eine Sprache zu lernen, wenn die Frau und fünf Kinder in Griechenland im Lager sind.“ Moderator Scherf zeigte dafür Verständnis, ermunterte ihn aber: „Wenn ich mit Ihnen befreundet wäre, würde ich sagen: Das beste, was Sie für Ihre Familie tun können, ist, deutsch zu lernen und vielleicht schon Arbeit zu haben, wenn sie eines Tages kommt.“ Und Wifo-Präsident Hans-Georg Hunold appellierte an den Mut und das Durchhaltevermögen der Flüchtlinge. „Arbeit zu finden ist schwierig. Aber Sie wären nicht hier, wenn sie vor Schwierigkeiten zurück schreckten.“

Bei allen Problemen, die beim Forum von Wifo und Jobcenter angesprochen wurden: Es gibt in Greven durchaus positive Beispiele, wie Flüchtlinge ins Arbeitsleben finden. Der junge syrische Architekt Ahmad Hamou arbeitet seit 1. August im Büro Hillebrand und Welp (siehe unten). Mitglieder der Flüchtlingshilfe hatten ihn bei der Arbeitssuche unterstützt. „Da hat sich wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Rolle der Flüchtlingshilfe ist“, wies Bernard Hillebrand darauf hin, dass „Paten“ dem künftigen Arbeitgeber viel an Lauferei abnehmen können – vor allem für kleine Unternehmen ein unschätzbarer Vorteil. „Wir können Wege ebnen“, warb denn auch Ilya Kryszat von der Flüchtlingshilfe der evangelischen Gemeinde bei den Unternehmern für eine enge Zusammenarbeit. „Das ist unser Part.“

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